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Rap und Berlin, das ist zu einer unheilvollen Assoziationskette geworden mit gezielten Tabubrüchen wie Sexismus oder Nationalismus. Während Berliner Rapper wie Sido, Fler oder B-Tight sich über mediale Provokationen in die Schlagzeilen und somit ins Rampenlicht hievten, agiert der Zehlendorfer MC Prinz Pi seit geraumer Zeit im Untergrund und zeigt, dass Rap in Berlin auch etwas gehaltvoller sein kann -so auch mit seinem neuen Album „Das PrinzIP Prinz PI Vol. 1″.
„Gehaltvoll“ beschreibt in diesem Fall sowohl Qualität als auch Quantität des Tonträgers – neben der, bescheiden als „Streetalbum“, also als weniger ausgefeiltes, eher zu Promotionszwecken verwendetes Album, titulierten 17 Track CD befindet sich eine zusätzliche DVD in der aufwendig gestalteten Verpackung, die sogar das einzige Manko, das Fehlen eines Textbooklets, in den Hintergrund rückt.
Qualitativ spottet „Streetalbum“ jeder Beschreibung – lediglich der ein oder andere etwas zu minimalistische Beat lässt gelegentlich Monotonie aufkommen, so etwa beim Introsong „Namenstag“.
Dafür haben andere Songs wie beispielsweise „Das Mädchen vom Werbeplakat“ Hitpotential und der Longplayer an und für sich, das, was jeder Tonträger aus diesem Genre haben sollte: Wortwitz.
Ob seine „Verse satanisch“ sind oder er „im Rachen Gold“ hat – Prinz Pis Texte sind eine Wundertüte von Wortspielen und Verweisen, die allerdings zum Textverständnis weniger wichtig sind als etwa bei Freundeskreis oder Kinderzimmer Productions. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb der einst unter dem Namen „Prinz Porno“ aktive MC trotz seines akademischen Vokabulars auch jenseits von Studentenkneipen gespielt wird – aber eben nicht nur im so genannten „Ghetto“. Wer kann einem Menschen, der sich als Untergrund-Rapper definiert übel nehmen, wenn er nicht auf entsprechenden Slang verzichtet und mit seinen „Ich bin Gott“-Zeilen das Klischee vom narzisstischen Rapper wieder aufwärmt? Und wer kann einem Studenten übel nehmen, wenn er seine Bildung mit in seine Texte fließen lässt und ein breit gefächertes Themenspektrum abdeckt -von der oben genannten üblichen Selbstbeweihräucherung („Wiederbelebt“) über Gesellschaftskritik („Tief“) bis hin zu ironischer Science-Fiction-Verwurstung („Ufos“)?
Niemand, und aus diesem Grund ist „Das PrinzIP Prinz PI Vol. 1″ ein empfehlenswerter Longplayer – sowohl für Fans des seit 1998 veröffentlichenden Rappers als auch für Hip Hop-Interessierte, denen der Name „Prinz Pi“ bisher nur ein Fragezeichen auf das Gesicht zauberte.
Philip Aubreville
Dieser Artikel wurde bereits in „Szene“, dem Jugendmagazin der Grafschafter Nachrichten veröffentlicht.
Schlagworte: Rezension, Review, HipHop, Rap, Hip Hop, Prinz Pi, Prinz Porno, Berlin, Das PrinzIP Prinz PI Vol. 1