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Es gibt kaum einen Longplayer, den ich so sehr mit einer Klassenfahrt verbinde, wie Madsen von Madsen. Damals, Weimar 2005…
Aber weg von privat hin zu publik. Es gibt zu denken, wenn man eine seiner Lieblingsplatten mit dem Tomte-Sänger teilt, doch das LP-Debüt der niedersächsischen Rockkapelle zählt mittlerweile, vielleicht auch wegen der obigen Assoziation, zu den meinigen.
Es sind gesungene Projektionsflächen und keine Dissertationen, die Sänger Sebastian Madsen zu Papier gebracht hat und gerade deswegen irritieren ekelhafte Vergleiche mit Tocotronic. Zwar ist das Wehleidige auch bei Madsen kaum wegzudenken – ein aggressiverer Stil was das Musikalische und teilweise auch Gesangstechnische angeht, macht dieses aber wieder wett.
Einzige Gemeinsamkeit mit den Hamburger Heulbarden ist vielleicht das Vorhandensein diverser Interpretationsmöglichkeiten, die sowohl das nervtötende Geschwafel eines Dirk von Lowtzow als auch die bereits erwähnten gesungenen Projektionsflächen von Madsen offen lassen.
So beschreibt „Panik“ vermutlich einfach nur eifersuchtsbedingten Beziehungsknatsch, könnte aber auch das Innenleben eines Lykanthropen wiedergeben oder das exzessive Genieren einer Person, die im vollbesetzten U-Bahn-Abteil den ganz persönlichen CO2-Ausstoß nicht so ganz unter Kontrolle hatte.
Auch „Vielleicht“ und „Immer mehr“ sprechen primär den herzschmerzgeplagten Twen (+/- fünf Jahre)an – doch gerade die Interpretationsmöglichkeiten, das Kryptische und eben nicht Konkrete sorgen dafür, dass Madsen von zwischen- oder , je nach Interpretation – gleichgeschlechtlichen Komplikationen singen können, ohne wie Schlagersänger zu wirken.
Mit einem ähnlichen Konzept werden auch andere, gesellschaftskritischere Themen, angegangen. Wer mit „Diese Kinder“ gemeint ist, kann man sich zwar denken, „Die Perfektion“ stellt hingegen eine weitere Ton-gewordene Leinwand dar.
Und auch wenn Madsen auf ihrem Debüt musikalisch nicht immer am Innovativsten waren und z.B. „Panik“ und „Lüg mich an“ recht ähnlich, „Vielleicht“ und „Unsichtbar“ sogar nahezu gleich anfangen, ist „Madsen“ ein gelungener und empfehlenswerter Longplayer. Auch außerhalb von Klassenfahrten.
Philip Aubreville
Schlagworte: Alternative Rock, Madsen, Poprock, Review, Rezension