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Es gibt kaum einen Longplayer, den ich so sehr mit einer Klassenfahrt verbinde, Nonstopaggropop von der Terrorgruppe. Damals, Bad Sachsa im Harz 2000…
Aber weg von privat hin zu publik. 1997 veröffentlichte die zu diesem Zeitpunkt gerade einmal vier Jahre alte (und mittlerweile aufgelöste) Berliner Punkband „Terrorgruppe“ ihre bis daher veröffentlichten Singles inklusive B-Seiten auf einer, so genannte „Punkcerealien“ auf einer anderen von zwei CDs.
Was bis dahin an 7 Inches und Maxi-CDs zusammengekommen war, kann sich sehen lassen. Bereits Wizo-Sänger Axel Kurth lobte die Band einst explizit für ihre „ersten beiden Singles“ und tatsächlich startet die chronologisch geordnete Single-Kollektion mit Krachern wie „Abenteuer Bundeswehr“ oder „Der blöde Chef“ fulminant.
Aber auch spätere Veröffentlichungen sind nicht zu verachten: Neben allseits bekannten und mitgegrölten Smashern wie „Keine Airbags für die CSU“ oder „Nazis im Haus“ sind es gerade die unbekannteren Stücke, die B-Seiten, die die Compilation so hörenswert machen. Was manchem als Stumpfpunk erscheint, löst bei mir völlig kontextlose Assoziationen aus – „CDU“ hört sich an wie ein Herbst in den 70er oder 80er Jahren unter den Lichtern einer Großstadt, wohingegen das „Tresenlied“ eher zum Jägermeister in einer – zum Beispiel Harzer – Dorfkneipe passt. 2000 habe ich Jägermeister als Mittel der politischen Auseinandersetzung allerdings noch abgelehnt. Es sind vermutlich vor allem die Riffs der zweiten Gitarre bzw. des Bass, die einem erfahrungsfremde Gedankenverknüpfungen bescheren.
Apropos Verknüpfung: Was man so alles mit Punkrock verknüpfen kann, wird auf Nonstopaggropop mehrfach deutlich gemacht: Der alte Rolling Stones-Smasher „As tears go by“ wird ordentlich aufgepeppt und auch das Bert Brecht-Gedicht „Ford“ muss als Vorlage für einen Song herhalten. Dass selbst Die Ärzte noch nicht alle Register gezogen haben, beweisen die Coverversionen von „Mach die Augen zu“ und „Kopfüber in die Hölle“, gegen die die Originale doch sehr sehr poppig wirken – ähnlich wie „Sex Beat“ von der Post-Punk-Band The Gun Club, dessen Tempo hier noch gesteigert wird.
Des weiteren covern die Berliner noch Stromsperre („Spaß muss sein“) und – sich selbst. Dies gelingt bei „La sociedad tiene la culpa“ (nicht zu verwechseln mit LA Confidential), einer spanischen Version des Intro-Songs „Die Gesellschaft ist Schuld“ gut, beim Dub-Remix von „Schöner Strand“. Dieses Stück ist aber auch das einzige, das zum wegzappen nötigt.
Auch der zweite Silberling der Doppel-CD glänzt nicht nur optisch. Der Tonträger mit „11 Punkcerealien“ ist gänzlich durchhörbar, auch wenn sich hier mit der Zeit die Underdogs ebenso wie bei der Single-Kollektion durchsetzen. „Mein Skateboard ist wichtiger als Deutschland“ ist mit der Zeit nicht nur durchgehört, sondern spricht einem auch jegliche Rebellion ab – diesen Song mag jeder.
Schwarz & Dunkel“ ist da nicht nur wesentlich besser zum Abgrenzen, sondern stellt auch den perfekten Soundtrack für die Post-Klimawandel-Ära dar. Und wo wir gerade beim Thema Ende sind, machen wir doch auch hier Schluss und schließen mit den Worten: great stuff, diese Platte.
Philip Aubreville
Schlagworte: Nonstopaggropop, Punk, Punkrock, Review, Rezension, Singlecollection, Terrorgruppe