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Ich weilte einst in den Niederlanden (in den Niederlanden, nicht in Belgien, haha), als ich eine längst überfällige Anschaffung tätigte: „Bad“ von Michael Jackson.
Was mich, Besitzer der größten Punkrockplatten-Kollektion meines Heimatdorfes, dazu bewegte, war eine Art privates 90er-Revival. Ganz Recht, 90er-Revival. Denn als „Bad“ 1987 erschien, war ich finanziell nicht in der Lage, diesen Longplayer zu erwerben und psychisch nicht in der Lage, irgendetwas mit diesem anzufangen. Und so erinnert mich die Musik nicht an die 80er, sondern an die frühen 90er Jahre und das Cover an das diesem nachempfundene Plakat, das im Gemeindekeller hing, wo mein Onkel einst auflegte.
Und damit genug von nostalgischen Schachtelsätzen.
Die Platte wurde damals, in den 80ern, von der Kritik relativ stiefmütterlich behandelt – und da ich einen gewissen Ultramontanismus gegenüber professionellen Musikjournalisten an den Tag lege, kann ich mich dem nur anschließen.
Hauptwert dieses Longplayers ist eigentlich die Tatsache, das man ihn als Kultobjekt im Schrank stehen haben sollte. Musikalisch hat Michael Jackson vorher und nachher bessere Releases an den Tag gelegt; auf „Bad“ gibt es nur drei Songs, die mich überzeugen: Der als Single ausgekoppelte Titelsong, „Dirty Diana“ und „Smooth Criminal“.
Zu „Bad“ braucht man nicht mehr viel sagen, der Song ist einfach rund. Es sind Details an denen ich mich aufhänge, die Synthie-Snare etwa oder die großartige Bridge. Dies gilt auch für meinen zweiten Fave des Longplayers. An „Dirty Diana“ fasziniert mich vor allem der düstere, aber sehr einfach gestrickte Basslauf und weniger die Tatsache, dass er aufgrund der Namenskongruenz mit der damals noch unter den Lebenden weilenden britischen Prinzessin etwas unglaublich skandalöses und verruchtes hatte.
„Smooth Criminal“s Stärke relativiert sich ein bisschen an der großartigen Coverversion, die Alien Ant Farm einst von dem Stück anfertigten. Dennoch – wäre ich Bravo-Redakteur, wäre dies mein dritter ‚Anspieltipp’.
Das ich hingegen von Songs wie „Liberian Girl“ eher weniger angetan bin, lässt sich vielleicht mit meinen sonstigen musikalischen Vorlieben erklären. Andererseits wirken Songs wie dieser gegenüber den von mir sehr geschätzten ‚Delfonics’ wie Heavy Metal. Der große Restteil der Platte ist langweilig und hat keine markanten Stellen, ,keine Highlights. „Bad“ bringt es deshalb bei mir nur selten zu mehr als Hintergrundgedudel. Irgendwelche Zwangsneurosen sagen mir allerdings, dass die CD dennoch in keinem Plattenschrank feheln darf.
Philip Aubreville
Schlagworte: 1987, 80er, Bad, Charts, Dirty Diana, King of Pop, Liberian Girl, Michael Jackson, Music, Musik, Pop, Review, Rezension, Smooth Criminal