Kinderzimmer Productions – Asphalt

By rezensor

Das Erste, was man hört sind verzerrte Musikinstrumente gepaart mit verspielten Samples: Allein das Intro des mittlerweile sechsten Longplayers der Ulmer HipHop-Band Kinderzimmer Productions reicht aus, um einen Großteil der potentiellen Klientel, die man mit der Genrebezeichnung „HipHop“ eigentlich anziehen könnte, zu verschrecken. Doch das ist keine Überraschung, Kinderzimmer Productions, das haben sie schon früher postuliert, machen eben „HipHop für HipHop-Muffel“ und nicht für potentielle Jamba-Kunden.
Mit Musik, der oft eher eine Samplecollage als einen Beat im klassischen Sinne darstellt und Texten, deren Schwerpunkt weniger die eigene Großartigkeit als das Austoben auf dem Wortspielplatz ist, haben sich Kinderzimmer Productions seit 1994 eine feste Fangemeinde erspielt.
Das aktuelle Album scheint genau für diese Zielgruppe konzipiert; als Einstieg ist es eher weniger geeignet.
Es fehlen die Hits, die herausstechenden Stücke, wie sie auf vorherigen Alben oftmals zahlreich vorhanden waren. Hier den Zugang zu finden, ist ziemlich schwer.
Wer Kinderzimmer Productions mag, wird aber auch an „Asphalt“ seine helle Freude haben. Der mittlerweile in Berlin lebende Frontmann Textor wirft wie gehabt mit Wortwitzen um sich („ich jage Gedanken, in- und auswendige sie, wie Graffiti hauswändige sie“)und Dj Quasimodo gestaltet die Beats wieder im unverwechselbaren Kinderzimmer Productions-Style. Dass einst ein Tonträger der Band eingestampft wurde, weil man ein nicht rechtefreies Sample der englischen Punkband „The Stranglers“ verwendet hatte, hindert Quasimodo auch auf „Asphalt“ nicht daran, sich bei Interpreten diverser Genres von Jazz bis HipHop zu bedienen.
„Asphalt“ ist also keine Revolution im Kinderzimmer Productions-Universum, sondern typisch. Doch nicht nur, weil der herausragende Smasher fehlt, sondern auch im Großen und Ganzen ist der Longplayer bei weitem nicht der beste, den Kinderzimmer Productions jemals gemacht haben. An Vorgänger wie „Irgendjemand muss doch“ oder „Wir sind da wo oben ist“ kommt „Asphalt“ leider nicht heran.

Philip Aubreville

Dieser Artikel wurde bereits in der „Szene“, dem Jugendmagazin der Grafschafter Nachrichten veröffentlicht.

Kinderzimmer Productions: Konzertbericht auf fudder.de

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