Sum 41 – Underclass Hero

By rezensor

Es war das Jahr 2001, als sich eine bis dato unbekannte Band aus Kanada ins öffentliche Bewusstsein der europäischen Musikinteressierten katapultierte: Auf MTV und Viva lief der Clip, in dem eine Band im klassischen Skatepunk-Schlabberlook, umgeben von lauter ausgelassenen, wild herum tanzenden und ähnlich gekleideten Teenagern ihren Poppunk zum Besten gibt. Die nun nicht mehr unbekannte Band hieß Sum 41 und ihre erste Single, „Fat Lip“ sowie das dazugehörige Album „All killer, no filler“ gehörten bald darauf in den einschlägigen Clubs zum festen Repertoire eines jeden DJs.

Sechs Jahre sind seit dem vergangen, wir schreiben das Jahr 2007: Eine Band im klassischen Skatepunk-Schlabberlook, umgeben von lauter ausgelassenen, wild herum tanzenden und ähnlich gekleideten Teenagern gibt Poppunk zum Besten. Selbst die Frisuren der Bandmitglieder scheinen noch die selben zu sein wie 2001. Doch auch wenn sowohl Video als auch Song wie ein Remake von „Fat Lip“ wirken, handelt es sich hierbei um einen neues Stück, namentlich „Underclass Hero“; die erste Singleauskopplung aus dem neuen, gleichnamigen Album der Kanadier.

Sum 41, so scheint es, haben sich kaum verändert. Tatsächlich stellt der neue Longplayer eine Reise in die Vergangenheit der Gruppe dar; neben musikalischer Kongruenz zwischen „Fat Lip“ und „Underclass Hero“ erinnert die ein oder andere Melodie an Songs des Vorgänger-Albums „Chuck“; beispielsweise klingt der Song „Pull the Curtain“ so aus, wie „88″ auf „Chuck“ begann.

Letztgenannte Ähnlichkeiten sind allerdings wohl eher kleine Selbstzitate als wirkliche Anknüpfungspunkte: War „Chuck“ mit seinen Metalriffs ein Ausbruch aus der bisherigen musikalischen Spur, so kehrt die nach der Trennung von Gitarist Dave Baksh nur noch dreiköpfige Combo mit „Underclass Hero“ dorthin zurück, wo sie 2002 mit „Does this look infected“ aufgehört haben: Zum klassischen Poppunk.

Das mag manch einer phantasielos und langweilig finden, doch andererseits ist es erfrischend, wenn eine Band die scheinbare Notwendigkeit ignoriert, sich unbedingt weiter entwickeln zu müssen: Der Umstand, dass die Bloodhound Gang mittlerweile eher dem Techno- als dem Rockgenre zuzuordnen ist oder sich die blink 182-Nachfolgeband „Angels and Airwaves“ als „Pink Floyd unserer Generation“ definiert, zog zwar den ein oder anderen guten Song nach sich – doch an ihre frühen Alben werden diese Musiker wohl nicht mehr heran kommen.

Die Kontinuität zu „All killer, no filler“ und „Does this look infected“ bedeutet allerdings nicht, dass es vor lauter Poppunk keinen Abwechslungsreichtum gebe: Auf der einen Seite zeigen die Kanadier in diversen Balladen ihre gefühlvolle Seite, was manch einer auf die Tatsache zurückführt, dass die Ehefrau von Sänger Deryck seit 2006 Avril Lavigne heißt. Auf der anderen Seite formulieren Sum 41 aber auch politische Botschaften und präsentieren überaus (pogo-)tanzbare Songs. Insgesamt bietet „Underclass Hero“ also keine Überraschungen, füllt dafür aber das Loch, welches Bands wie blink 182 und eben Sum 41 selbst hinterlassen haben.

Philip Aubreville

Diese Rezension wurde bereits in der „Szene“, dem Jugendmagazin der Grafschafter Nachrichten veröffentlicht.

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