Freundeskreis – FK 10/ Freundeskreis 1997-2007

By rezensor

 

Als „Band mit WG-Charme“ beschrieb das Hamburger Nachrichtenmagazin Stern einst die Stuttgarter Hip-Hop-Gruppe Freundeskreis.
Das war zu Beginn des neuen Jahrtausends; intelligenter, wortwitziger Sprechgesang stürmte die Charts und Menschen, die kürzlich noch in Kellerstudios ihre Songs produziert hatten, brachten es plötzlich zum BRAVO-Starschnitt.
Diese Zeiten sind vorbei; der Großteil der deutschen Hip-Hop-Landschaft hat heute eher den Charme einer Betonwüste und intelligenter, wortwitziger Sprechgesang ist weniger in den Charts als auf der roten Liste vertreten. Und so wirkt die erste Freundeskreis-Veröffentlichung seit acht Jahren fast messianisch – auch wenn es sich hierbei um ein Best-Of-Album handelt und der Großteil der Stücke folglich bereits bekannt ist.
Dennoch: Mit ihrem Release zum zehnjährigen Bandjubiläum haben Freundeskreis eine Komposition vorgelegt, die ein Bollwerk gegen den allgemeinen Verfall deutscher Hip-Hop-Kultur darstellt und den Titel „CD des Jahres“ somit mehr als verdient hat.
Neben einer beigelegten Dokumentations-DVD gibt auch der Tonträger selbst einen interessanten Einblick in der Schaffensgeschichte der Schwaben: Da trifft die einstige Single „A-N-N-A“ mit ihrem Kuschelrockpotential auf einen Song wie „Sternstunde“, dessen Textinhalt man selbst nach tagelanger Lexikonlektüre nur partiell versteht – da hilft auch die überaus sinnige Erklärungsleiste der in Freundeskreis-Texten verwendeten Wörter im Booklet nicht viel.
So wird zwar den meisten auch weiterhin bei Zeilen wie „Bald stürmen 144 mit geballter Faust von Gibraltar aus das europäische Haus“ ein Fragezeichen auf der Stirn geschrieben stehen – doch dafür findet man etwas, was in der gesamten Musiklandschaft nach wie vor eher Mangelware ist: Anregungen zum Nachdenken.
Dies gilt auch für die beiden neuen Stücke: „FK 10“,oberflächlich ein klassischer Comeback-Song, besitzt eine tiefgründige Message; gleiches gilt für „Das Prinzip Hoffnung“.
„FK 10/ Freundeskreis 1997-2007“ ist aber weit mehr als ein vertontes Adorno-Werk – Freundeskreis machten und machen Popmusik; man covert Rio Reiser, lässt Udo Lindenberg mitsingen und featured Gentleman oder Afrob.
Diese Verbindung von Message und Musik macht „FK 10/ Freundeskreis 1997-2007“ für mich zur CD des Jahres – allein weil die internationalistische Hymne „Esperanto“ auch 2007 noch brandaktuell ist.

Philip Aubreville

Dieser Artikel wurde außerdem im “Szene-Magazin” – der Jugendbeilage der Grafschafter Nachrichten veröffentlicht.

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