Madsen – Frieden im Krieg

Den Journalisten und Tomte-Sänger Thees Uhlmann hält längst nicht jeder für einen kompetenten Ansprechpartner wenn es um Musik geht. Doch zumindest einmal, im Jahr 2005, war Uhlmanns Urteil mehr als treffend. Damals schrieb er über „Madsen“, dem ersten Album der gleichnamigen Band aus dem niedersächsischen Wendland, es sei „die beste Debüt-LP, seitdem ich über Musik schreibe.“
Für die Band begann seitdem eine Erfolgsgeschichte: Landete „Madsen“ noch auf Platz 23 der deutschen Albumcharts, war die Nachfolgeveröffentlichung „Goodbye Logik“ bereits auf Rang 8 zu finden – vier Singles schafften es in die Top 100.
Auch getragen vom Hype um deutschsprachige Musik brachten es Madsen zu gern gesehenen Gästen auf diversen einschlägigen Festivals und TV-Sendungen.
Mit „Frieden im Krieg“ hat die zur Zeit vermutlich erfolgreichste niedersächsische Band nun ihren dritten Longplayer veröffentlicht – und machen nahtlos weiter, wo sie mit ihren anderen Releases aufgehört haben.
Doch auch wenn Madsen wieder keinen Song produziert haben, den man durch eine systematische Kategorisierung einem bestimmten Album zuordnen könnte, die neuen also Songs genauso gut drei Jahre alt sein könnten und die drei Jahre alten Songs ohne Probleme auf der aktuellen LP ihren Platz fänden, muss man kein Madsen-Fan sein, um „Frieden im Krieg“ nicht langweilig zu finden.
Eine Weiterentwicklung ist nämlich trotzdem festzustellen: Die Texte wirken durchdachter als vorherige Dichtungen – das Album strotzt von Metaphern; zusätzlich finden sich Zeugmata, Chiasmen und andere Wortspiele. Nicht nur der ein oder andere Deutschlehrer hätte seine helle Freude.
Inhaltlich gehen die Lyrics über das erwartungsgemäße Thema „Liebe“ hinaus: Gesellschaftskritik, mal expliziter („Nitro“), mal zwischen den Zeilen im Gute-Laune-Kostüm („Nachtbaden“) kann man im Booklet ebenso nachlesen wie die scheinbar beliebt werdende (als Beispiel seien Die Ärzte genannt) Textgattung des sozialpädagogischen Imperativs („Verschwende dich nicht“).
Überhaupt bekommt die Kommunikation mit dem „Du“ breiten Platz eingeräumt – genauso wie vielleicht beabsichtigte, vielleicht unbeabsichtigte popkulturelle Zitate: Da ist vom „Böse[n] in Menschengestalt“ die Rede („Nitro“), „Wenn der Regen“ deutscht das in jedem zweiten britischen Melancholiesong vorkommenden „the rain falls hard“ („der Regen fällt hart“) ein und klingt anfangs wie „Die Lust am Leben“ von Geier Sturzflug. Der großartige „Kein Weg zu weit“ kommt einem nichtsdestotrotz ebenfalls bekannt vor und die Zeile „Dreh die Zeit zurück, erinnere dich“ aus dem Song „Vollidiot“ wird treffend mit einer Melodie untermalt ist, die nicht mehr ist, als die langsame Variante des 2006 veröffentlichten Stücks „Ich rette die Welt“.
Was zunächst wie eine Plagiatsansammlung aussieht, verteilt sich gut über den Longplayer und stellt somit wohl eher eine wohldosierte Anwendung popkultureller Anspielungen dar.
Musikalisch bieten Madsen auf ihrem dritten Release ansonsten wenig Neues – trotz oder gerade wegen dieser Konstanz ist „Frieden im Krieg“ allerdings eine großartige Platte und absolut empfehlenswert.

Philip Aubreville

Dieser Artikel wurde außerdem im “Szene-Magazin” - der Jugendbeilage der Grafschafter Nachrichten veröffentlicht.

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