Die Toten Hosen – In aller Stille

By rezensor

stille

25 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debüts „Opelgang“ haben die Toten Hosen mit „In aller Stille“ ihren musikalischen Werdegang fortgesetzt. Wer so lange im Musikgeschäft aktiv ist, so könnte man annehmen, hat eine breite Fanbasis hinter sich geschart, die vor allem durch eines bei der Stange gehalten wird: Kontinuität. Und so stellt die Düsseldorfer Combo ihren neusten Tonträger in einen Kontext mit vorhergegangenen Höhepunkten: „’In aller Stille’ knüpft direkt dort an, wo Studioalben wie ‘Opium fürs Volk’ oder ‘Auswärtsspiel’ aufgehört haben“, heißt es auf der Website der Band.

Wer so lange im Musikgeschäft aktiv ist, so könnte man gleichfalls annehmen, muss sich aber auch gelegentlich neu erfinden. „In aller Stille“ enthalte „neue, hauptsächlich nachdenkliche, philosophische Texte“, erklären entsprechend digital aktive Hosen-Fans.

Zwar stand ein neuer Produzent in einem neuen Studio hinter den Reglern und mit Cello-Einsätzen („Tauschen gegen dich“, „Auflösen“), der momentan offensichtlich wieder angesagten Verwendung von Elektro-Samples („Disko“) oder dem Duett-Gesang mit der Schauspielerin Birgit Minichmayr finden sich tatsächlich neue bzw. ungewohnte Elemente auf der CD.
Allerdings ist es wohl ihrer – musikalischen wie textlichen – Konstanz zu verdanken, dass die Rheinländer bereits in der ersten Woche Platz Eins der deutschen Album-Charts enterte: Songs wie „Pessimist“ oder „Strom“ hätten mit ihren eingängigen Riffs und Background-Gesängen beispielsweise auch in den 90er Jahren auf DTH-Veröffentlichungen Platz gefunden; durchschnittliche Lautstärke und Tempo stehen im angenehmen Kontrast zum Albumtitel. Alles beim Alten also, aber deswegen nicht schlecht.

Dies lässt sich mit Abstrichen auch bezüglich der Texte feststellen: Zwar finden sich mit Stücken wie „Leben ist tödlich“, „Innen alles neu“ oder „Pessimist“ tatsächlich vermehrt Songs, deren Lyrics sich im weitesten Sinne als „philosophisch“ bezeichnen lassen, doch von seiner nachdenklichen Seite hatte sich Sänger Campino unter anderem schon vor 15 Jahren auf dem Longplayer „Kauf MICH“ gezeigt. Auf der anderen Seite können die Toten Hosen aber nach wie vor Stücke ohne geistigen oder emotionalen Ballast schreiben: „Strom“ könnte hierfür als positives, „Disco“ als negatives Beispiel angeführt werden.
Insgesamt ist den Toten Hosen mit „In aller Stille“ ein Album gelungen, das auch ohne viel Neues eher positiv als negativ überrascht.

Philip Aubreville

Dieser Artikel wurde außerdem im “Szene-Magazin” – der Jugendbeilage der Grafschafter Nachrichten veröffentlicht.

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